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Mineralöl in Kosmetik: Wie bedenklich sind Paraffin und Vaseline wirklich?

Mineralöl in Kosmetik: Wie bedenklich sind Paraffin und Vaseline wirklich?

Hinweis: Bild teilweise bzw. vollständig mit KI erstellt.

Kurz beantwortet

Mineralöl in Kosmetik, etwa Paraffinum liquidum oder Petrolatum (Vaseline), ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung bei Anwendung auf der Haut nach heutigem Wissen gesundheitlich unbedenklich. Offene Fragen betreffen vor allem aromatische Rückstände (MOAH) in Lippenpflege. Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet bewusst auf Mineralöle und setzt auf Pflanzenlipide.

Mineralöl in Kosmetik auf einen Blick

  • INCI-Bezeichnungen: Paraffinum liquidum, Paraffin, Petrolatum, Cera Microcristallina, Mineral Oil
  • Herkunft: Raffinierte Kohlenwasserstoffe aus Erdöl; Einsatzkonzentration je nach Produkt 1 bis 99 %
  • Gut belegt: Petrolatum reduziert den transepidermalen Wasserverlust im Labor um über 98 % und ist damit der stärkste Okklusivstoff
  • Teilweise belegt: Mögliche Risiken durch MOAH-Rückstände; Daten zur oralen Aufnahme (Lippenpflege) sind lückenhaft
  • Nicht belegt: Dass kosmetisches Mineralöl Poren verstopft, die Haut „austrocknet“ oder über die Haut Krebs auslöst
  • Naturkosmetik: In COSMOS- und NATRUE-zertifizierten Produkten nicht erlaubt

Was ist Mineralöl in Kosmetik überhaupt?

Mineralöl ist ein Gemisch aus tausenden Kohlenwasserstoffen, das aus Rohöl gewonnen und durch Raffination, Extraktion und Hydrierung gereinigt wird. Chemisch besteht es vor allem aus gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH). Trotz Aufreinigung können Reste aromatischer Kohlenwasserstoffe (MOAH) enthalten sein, für die ein krebserregendes Potenzial nicht in jedem Fall ausgeschlossen werden kann.

In Cremes, Lippenpflege, Babyöl, Make-up und Vaseline dient Mineralöl als Weichmacher, Hautschutz, Lösungsmittel oder Konsistenzgeber. Es ist günstig, lange haltbar, geruchsneutral und kaum allergen – deshalb ist es seit über hundert Jahren ein Standardrohstoff der konventionellen Kosmetik.

Wie Mineralöl auf der Haut wirkt

Ein Film statt Pflege von innen

Paraffine und Vaseline dringen praktisch nicht in die Haut ein. Sie bilden einen wasserabweisenden Film auf der Oberfläche, der Verdunstung bremst. Eine viel zitierte Studie im Journal of the American Academy of Dermatology (1992) zeigte, dass Petrolatum den Wasserverlust der Haut um mehr als 98 % senkt, während viele andere Öle nur 20 bis 30 % erreichen. Genau darauf basiert der Trend Slugging.

Was Mineralöl nicht kann

Mineralöl liefert der Haut keine Fettsäuren, Vitamine oder Barriere-Lipide. Es hält vorhandene Feuchtigkeit zurück, baut die Hautbarriere aber nicht aktiv mit auf. Pflanzenöle und -butter wie Sheabutter enthalten dagegen Fettsäuren und Begleitstoffe, die der Haut biologisch vertraut sind.

Kritische Einordnung: Wie bedenklich ist Mineralöl wirklich?

Hier lohnt ein nüchterner Blick – in beide Richtungen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt zu dem Schluss, dass Mineralöle, wenn überhaupt, nur in sehr geringen Mengen über die Haut aufgenommen werden. Gesundheitliche Risiken durch die Anwendung auf der Haut sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten. Dermatologen der BfR-Kosmetik-Kommission betonen, dass trotz jahrzehntelanger Verwendung, etwa in Babycremes oder bei der Vaseline-Behandlung von Schuppenflechte, keine Häufung von Hauterkrankungen beobachtet wurde.

Gleichzeitig benennt das BfR Datenlücken: zur Aufnahme bei langem Hautkontakt, zur Anreicherung gesättigter Kohlenwasserstoffe im Körper und vor allem zur oralen Aufnahme, etwa über Lippenstift und Lippenbalsam. Stichproben zeigten große Unterschiede beim MOAH-Gehalt, mit Höchstwerten im einstelligen Prozentbereich. Das BfR empfiehlt deshalb, MOAH in Kosmetik zu minimieren. Rechtlich erlaubt die EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 Mineralöle nur, wenn der Raffinationsprozess vollständig bekannt ist und der Ausgangsstoff nachweislich nicht krebserregend ist.

Auch der Mythos „Mineralöl verstopft die Poren“ hält einer Prüfung nicht stand: Eine Untersuchung im Journal of Cosmetic Dermatology (2005) fand für kosmetisch reines Mineralöl keine komedogene Wirkung. Das Fazit: Mineralöl ist kein Gift, aber auch kein Pflegewirkstoff – und die verbleibenden Unsicherheiten betreffen vor allem Produkte, die verschluckt werden können.

Warum Naturkosmetik auf Mineralöl verzichtet

Zertifizierung schließt Erdöl aus

Naturkosmetik-Standards wie COSMOS und NATRUE erlauben keine erdölbasierten Fette und Öle. Welche Siegel was garantieren, erklärt unser Naturkosmetik-Siegel-Vergleich. Gründe sind neben der MOAH-Frage auch Nachhaltigkeit: Erdöl ist ein fossiler, nicht nachwachsender Rohstoff.

Pflanzliche Alternativen mit Mehrwert

Pflanzenlipide schützen ebenfalls vor Feuchtigkeitsverlust, wenn auch weniger stark okklusiv, und liefern zusätzlich hautverwandte Fettsäuren. The Day Cream kombiniert pflanzliche Lipide mit Hyaluronsäure, um die Barriere tagsüber zu stützen. Für eine reichhaltige Nachtpflege ohne Paraffin eignet sich The Beauty Sleep Cream & Mask, die auch als Overnight-Maske aufgetragen werden kann.

Wann Vaseline trotzdem sinnvoll sein kann

Bei stark rissiger Haut oder nach ärztlicher Empfehlung, etwa bei Wundpflege, kann reine Vaseline ein sinnvolles Hilfsmittel sein. Für die tägliche Gesichtspflege ist sie aber kein Muss.

Häufige Fragen zu Mineralöl in Kosmetik

Ist Mineralöl in Cremes krebserregend?

Nach Einschätzung des BfR sind bei Anwendung auf der Haut keine Gesundheitsrisiken zu erwarten. Unsicherheiten bestehen bei aromatischen Rückständen (MOAH), vor allem in Produkten, die verschluckt werden können.

Woran erkenne ich Mineralöl auf der INCI-Liste?

Typische Bezeichnungen sind Paraffinum liquidum, Paraffin, Petrolatum, Cera Microcristallina und Mineral Oil. Zertifizierte Naturkosmetik enthält diese Stoffe nicht.

Verstopft Mineralöl die Poren?

Kosmetisch reines Mineralöl gilt laut Studien nicht als komedogen. Die Vorstellung stammt aus älteren Tests mit industriellem, weniger reinem Mineralöl.

Trocknet Vaseline die Haut aus?

Nein, Vaseline hält Feuchtigkeit in der Haut zurück. Sie liefert allerdings selbst keine Pflegestoffe und baut die Barriere nicht aktiv auf.

Ist Lippenpflege mit Mineralöl bedenklich?

Hier ist die Datenlage am dünnsten, da Lippenpflege teilweise verschluckt wird. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zu Lippenpflege auf Basis pflanzlicher Öle und Wachse.

Fazit

Mineralöl in Kosmetik ist besser als sein Ruf: auf der Haut nach heutigem Wissen unbedenklich, sehr verträglich und ein starker Verdunstungsschutz. Gleichzeitig pflegt es nicht aktiv, basiert auf Erdöl und bei MOAH-Rückständen in Lippenprodukten bleiben Fragen offen. Wer Feuchtigkeitsschutz mit hautverwandten Pflanzenlipiden kombinieren möchte, findet im Hydra Barrier Repair Set eine zertifizierte Routine ganz ohne Paraffine.

Quellen

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Mineralöl in kosmetischen Mitteln. bfr.bund.de
  • Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über kosmetische Mittel
  • Ghadially R, Halkier-Sorensen L, Elias PM: Effects of petrolatum on stratum corneum structure and function. Journal of the American Academy of Dermatology, 1992; 26(3): 387–396
  • DiNardo JC: Is mineral oil comedogenic? Journal of Cosmetic Dermatology, 2005; 4(1)

Stand: Oktober 2026

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