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Polyglutaminsäure in der Hautpflege: Besser als Hyaluronsäure – oder nur ein neuer Hype?

Hinweis: Bild teilweise bzw. vollständig mit KI erstellt.

Kurz beantwortet

Polyglutaminsäure (PGA) ist ein fermentativ gewonnener Feuchtigkeitsspender, der einen feinen Film auf der Haut bildet und Wasserverlust bremst. Kleine Studien zeigen messbar mehr Hautfeuchtigkeit. Dass Polyglutaminsäure Hyaluronsäure überlegen ist, ist jedoch nicht belegt – beide ergänzen sich.

Polyglutaminsäure auf einen Blick

  • INCI-Bezeichnungen: Polyglutamic Acid, Sodium Polyglutamate
  • Herkunft: Biopolymer aus der Aminosäure Glutaminsäure, ursprünglich aus Natto (fermentierte Sojabohnen), heute per Fermentation mit Bacillus subtilis hergestellt
  • Gut belegt: Wirkt als Feuchthaltemittel (Humectant) und filmbildend an der Hautoberfläche
  • Teilweise belegt: Unterstützung von Barriere-Proteinen und körpereigenen Feuchtigkeitsfaktoren (NMF) – überwiegend Labor- und Hautmodell-Daten
  • Nicht belegt: „5.000-fache Wasserbindung“ als Vorteil auf echter Haut und eine generelle Überlegenheit gegenüber Hyaluronsäure
  • Anwendung: Meist in Toner, Serum oder Gel, auf feuchte Haut, danach Creme

Was ist Polyglutaminsäure überhaupt?

Polyglutaminsäure ist eine lange Kette aus vielen Glutaminsäure-Bausteinen, also ein natürliches Polypeptid. Entdeckt wurde sie im fadenziehenden Schleim von Natto, einer japanischen Spezialität aus fermentierten Sojabohnen. Für Kosmetik wird sie heute biotechnologisch mit Bakterien wie Bacillus subtilis hergestellt – ähnlich wie moderne Hyaluronsäure, die ebenfalls fermentativ gewonnen wird.

Wie Hyaluronsäure oder Glycerin gehört Polyglutaminsäure zu den Humectants: Stoffe, die Wasser binden und in der obersten Hautschicht halten. Wegen ihrer großen Molekülgröße bleibt sie dabei an der Hautoberfläche.

Wie Polyglutaminsäure auf der Haut wirkt

Feuchtigkeitsfilm statt Tiefenwirkung

Hochmolekulare Polyglutaminsäure legt sich als dünner, atmungsaktiver Film auf die Haut. Er bindet Wasser und reduziert gleichzeitig die Verdunstung, den sogenannten transepidermalen Wasserverlust. Die Haut fühlt sich dadurch glatter und praller an – ein Effekt, der vor allem in der obersten Hornschicht entsteht.

Unterstützung der Hautbarriere

Eine Studie im International Journal of Molecular Sciences (2025) untersuchte Polyglutaminsäure aus einem neuen Bacillus-subtilis-Stamm. In Hautzellen und einem rekonstruierten Hautmodell förderte sie Barriere-Proteine und die Feuchtigkeitsspeicherung. Ältere Herstellerdaten deuten zudem darauf hin, dass PGA die Bildung körpereigener Feuchtigkeitsfaktoren wie PCA und Milchsäure anregen könnte. Beides ist interessant, stammt aber nicht aus großen Studien an Menschen.

Kritische Einordnung: Was die Studienlage wirklich zeigt

Die bekannteste Werbezahl lautet: Polyglutaminsäure bindet bis zu 5.000-mal ihr Gewicht an Wasser, Hyaluronsäure „nur“ 1.000-mal. Diese Werte stammen aus Labormessungen und Rohstoff-Marketing. Wie viel Wasser ein Stoff im Reagenzglas bindet, hängt stark von Salzgehalt und pH-Wert ab – und sagt wenig darüber, wie gut eine fertige Creme die Haut befeuchtet. Mehr Wasserbindung bedeutet nicht automatisch mehr Pflegewirkung.

Die Daten an Menschen sind überschaubar. In einem viel zitierten Test aus Cosmetics & Toiletries (2007) stieg die Hautfeuchtigkeit nach einer PGA-Formulierung um 13,5 %, nach einer Glycerin-Formulierung um 7,5 %. Ein 28-Tage-Test des Rohstoffherstellers Meiji Seika sah Vorteile gegenüber Kollagen und Hyaluronsäure. Beide Untersuchungen sind klein und herstellernah. Unabhängige, größere Vergleichsstudien zwischen Polyglutaminsäure und Hyaluronsäure fehlen bis heute.

Unser Fazit zur Evidenz: Polyglutaminsäure ist ein solider, gut verträglicher Feuchtigkeitsspender. Der Ruf als „Hyaluron-Killer“ ist dagegen Marketing.

Polyglutaminsäure richtig anwenden

Kombinieren statt ersetzen

Weil Polyglutaminsäure an der Oberfläche einen Film bildet und Hyaluronsäure Wasser in der Hornschicht bindet, funktionieren beide gut zusammen. Wer bereits einen Hyaluron-Toner wie The Hyaluronic Toner und ein Feuchtigkeitsserum wie The Hydrating Serum nutzt, ist gut versorgt – ein zusätzliches PGA-Produkt ist eine Option, kein Muss.

Auf feuchte Haut und gut versiegeln

Humectants wirken am besten auf leicht feuchter Haut. Danach sollte eine Creme oder ein Gel folgen, damit die gebundene Feuchtigkeit nicht verdunstet – besonders bei trockener Heizungsluft. Leichte Texturen wie The Glowy Gel passen gut zu Mischhaut, das Prinzip erklärt auch unser Artikel zu Skin Flooding.

Für wen PGA sinnvoll ist

Polyglutaminsäure gilt als sehr gut verträglich und eignet sich auch für empfindliche Haut. Besonders profitieren können Menschen mit feuchtigkeitsarmer, spannender Haut, die sich nach Hyaluronsäure trotzdem trocken anfühlt.

Häufige Fragen zu Polyglutaminsäure

Ist Polyglutaminsäure besser als Hyaluronsäure?

Das ist nicht belegt. Polyglutaminsäure bindet im Labor mehr Wasser, unabhängige Vergleichsstudien an Menschen fehlen jedoch. Am sinnvollsten ist die Kombination beider Stoffe.

Kann man Polyglutaminsäure und Hyaluronsäure zusammen verwenden?

Ja. Hyaluronsäure bindet Wasser in der Hornschicht, Polyglutaminsäure bildet darüber einen Film gegen Verdunstung. Viele Seren kombinieren beide bereits.

Ist Polyglutaminsäure Naturkosmetik?

Polyglutaminsäure wird fermentativ aus natürlichen Rohstoffen gewonnen. Ob ein Produkt als Naturkosmetik gilt, hängt von der Zertifizierung des Rohstoffs und der gesamten Rezeptur ab.

Ist Polyglutaminsäure für empfindliche Haut geeignet?

Ja, sie gilt als sehr gut verträglich und reizarm. Wie bei jedem neuen Produkt ist ein kurzer Test in der Armbeuge sinnvoll.

Wie schnell wirkt Polyglutaminsäure?

Der glättende Feuchtigkeitseffekt ist sofort spürbar. Mögliche Effekte auf die Hautbarriere wurden in Tests über etwa vier Wochen untersucht.

Fazit

Polyglutaminsäure in der Hautpflege ist ein sinnvoller, gut verträglicher Feuchtigkeitsspender mit interessantem Barriere-Potenzial. Die spektakulären Vergleichszahlen zur Hyaluronsäure stammen jedoch aus dem Labor und dem Marketing, nicht aus belastbaren Studien an Menschen. Entscheidend bleibt eine Routine, die Feuchtigkeit bindet und anschließend schützt – wie das Hydra Barrier Repair Set, das Hyaluronsäure mit barrierestärkender Pflege kombiniert.

Quellen

  • Poly-γ-Glutamic Acid from a Novel Bacillus subtilis Strain: Strengthening the Skin Barrier and Improving Moisture Retention in Keratinocytes and a Reconstructed Skin Model. International Journal of Molecular Sciences, 2025; 26(3): 983. DOI: 10.3390/ijms26030983
  • Ben-Zur N, Goldman DM: γ-Poly glutamic acid: a novel peptide for skin care. Cosmetics & Toiletries, 2007
  • Polyglutamate: Unleashing the Versatility of a Biopolymer for Cosmetic Industry Applications. Übersichtsarbeit, 2024

Stand: Oktober 2026

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